Was haben wir Besonderes?

Die Wiege der deutschen Feinmess-Industrie liegt am Bayerischen Untermain.  

- Von einem der auszog das Metermaß zu holen. Ein Leben für die Feinmesstechnik -

Die Anfänge der Messzeug-Industrie liegen besonders in Frankreich und den USA. In Frankreich wurde die Akademie der Wissenschaften beauftragt, ein einheitliches Maß und Gewicht festzulegen und so ergaben sich das Meter und das Kilogramm. Die gesetzliche Einführung in Frankreich ließ jedoch bis 1846 auf sich warten.

Im damals noch zersplitterten Deutschland kannte man zu dieser Zeit noch keine Einheitlichkeit bei den Maßen. Es galten wie von alters her die üblichen handwerklichen Grundsätze: nur das Feingefühl der Hand war „maßgebend“ für eine gute Passung. Damals war in den meisten Betrieben lediglich eine meist schlechte Kopie eines Zollmaß Stabes vorhanden und man war zufrieden, wenn das Werkstück mit dem angelegten Maßstab annähernd das gewünschte Maß erreichte. Der Gedanke, die landesüblichen Zollmaßstäbe durch ein einheitliches exaktes Metermaß zu ersetzen wurde als umständlich und damit als überflüssig weitgehend von den Unternehmen abgelehnt.

Gegen solcherlei Messverfahren begann seit 1862 erstmals der Aschaffenburger Franz Anton Hock anzukämpfen.  Er darf als der eigentliche Begründer der deutschen Feinmess-Industrie bezeichnet werden.

FranzAntonHockFranz Anton Hock wurde am 14. 01.1837 als Sohn eines aus Großostheim bei Aschaffenburg stammenden Zeugschmiedes geboren. Nach seiner Schul- und Lehrzeit als Zeugschlosser, begab er sich 1855 als Achtzehnjähriger während seiner Wanderjahre auf den Weg zur Weltausstellung nach Paris.
Ein mehrjähriger Aufenthalt in Paris folgte mit der Erweiterung seines beruflichen Könnens. Es erfasste ihn die Faszination des bereits eingeführten metrischen Maßsystems in Frankreich. Die Idee der Präzision überfällt ihn, sie scheint ihm überhaupt das wahre Wesen der Technik zu sein – und nicht zuletzt für ihn und seine Zunft ein Schaffensprogramm. In den letzten Pariser Jahren machte er dann eine große Reise nach Übersee. Leider gibt es keine Aufzeichnungen wie ihn die neue Welt empfing, aber es ist wahrscheinlich, dass er den Aufenthalt zur beruflichen Fortbildung zum Studium der amerikanischen Arbeitsteilung, dem Taylorismus, nutzte.
1862 kehrt F.A. Hock wieder nach Paris zurück. Im gleichen Jahr fährt er mit der französischen Ostbahn über Forbach nach Saarbrücken wieder auf deutschen Boden. Nach mehrstündiger Weiterfahrt grüßt ihn eine Station, die sieben Jahre zuvor noch nicht auf einem Fahrplan stand: Aschaffenburg, am Bayerischen Untermain. Am 24. November 1864 heiratet Hock die Nagelschmiedstochter Elisabeth Ursula Meßner, mit der er sein einziges Kind, dieTochter Sophie, hatte. 1869 verlegt Hock seinen Betrieb nach Mannheim. Sein Entschluss wurde durch den dortigen Verkehrsknotenpunkt, aber auch durch eine aufstrebende Industrie mit günstigeren Geschäftsgrundlagen begünstigt, so z.B. Heinrich Lanz mit Lokomobilen, Dreschmaschinen und Karl Friedrich Benz mit schnelllaufenden Verbrennungsmotoren.

micrometerGruppenbildDie Geschäftsbriefe und die Korrespondenz von F.A. Hock versiegen dann ab Mitte 1871. Um diese Zeit wird er die Korrespondenz bereits einem Mitarbeiter, wahrscheinlich war es der Ingenieur Heinrich Leopold Sautter, übertragen haben. In den Unterlagen aus Hock`s Zeit in Mannheim ist kein Hinweis auf die Wiener Weltausstellung zu finden. Es ist aber bekannt, dass Hock auf dieser Weltausstellung zu den Prämierten gehörte. Vermutlich war es einer der letzten Erfolge dieses rührigen Mannes, der im Beruf seine Kräfte verzehrte.

Am 31.12.1875 starb F.A. Hock in Mannheim, kurz vor seinem 39. Geburtstag. Die knappen finanziellen Mittel, seine häufigen und weitreichenden Reisen unter dürftigsten Umständen sowie die Kriegsereignisse von 1866 und 1870/71 mögen Hinweise auf die Ursachen seines frühen Todes gewesen sein. Ein Bankcrash in Wien verursachte noch 1874 empfindliche Einbußen für Hock. Eine besondere Tragik im unvollendeten Leben von F.A. Hock lag noch darin, dass die von ihm als notwendig bezeichnete Vereinheitlichung des Maßsystems in Deutschland, er nicht mehr erleben konnte.
 Just nämlich in seinem Todesjahr 1875, unterzeichneten 19 Staaten, darunter auch das Deutsche Reich, mit der „Internationalen Meterkonvention“ ein einheitliches Maßsystem.

Quellenangaben: Auszüge und Bilder aus „Die Aschaffenburger Meßzeugindustrie“

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